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Thesaurus linguae Latinae (TLL)

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Zettelmaterial

Bei der außerordentlichen Menge an berücksichtigten Quelltexten gibt es für jedes wort eine große Menge an Belegstellen. Um sicherzustellen, dass die Belegmasse auch größerer Stichwörter für den Bearbeiter noch einigermaßen überschaubar bleibt, wurde bei der Materialsammlung folgender Kompromiss eingegangen:

Nur die älteren Texte (bis gegen Ende des 2. Jahrhunderts n. Chr.) wurden vollständig, Wort für Wort, mechanisch verzettelt (sog. Grundmaterial); die jüngeren Texte (bis ca. 600 n. Chr.) hingegen wurden nur exzerpiert, d. h. sie wurden zwar auch alle durchgearbeitet, Materialzettel aber wurden nur für diejenigen Wörter bzw. Stellen angelegt, die in irgendeiner Hinsicht bemerkenswert erschienen. 

Die Materialsammlung war also mit einem ersten Bearbeitungsgang gekoppelt, der – was die jüngeren Texte betrifft – eine gewaltige Reduktion des Materials auf das lexikalisch Relevante brachte. Da zudem häufig textkritische und interpretatorische Notizen auf den Zetteln enthalten sind, bleibt das berühmte Zettelarchiv des Thesaurus, das immer noch laufend ergänzt wird, auch weiterhin die Grundlage der lexikographischen Arbeit; im Bedarfsfall werden die heute verfügbaren Datenbanken zusätzlich herangezogen. Auch nach der Publikation der Artikel behält das Zettelarchiv seinen Wert als Forschungsgrundlage für Besucher aus aller Welt.

Im Zettelarchiv befinden sich ca. 10 Millionen Zettel im Postkartenformat (A6), die alphabetisch nach den Lemmata und innerhalb der Lemmata chronologisch geordnet sind.

Grundmaterial: Komplett verzettelte Texte

Den größten Teil des Materials machen vollständig verzettelte literarische Texte aus. Zunächst wurde jeder Text nach der damals maßgeblichen Ausgabe in Abschnitte, sogenannte Perikopen, eingeteilt, variae lectiones aus dem kritischen Apparat wurden am Rand vermerkt. Diese Abschnitte mit den Anmerkungen wurden von Hilfskräften auf lithographisches Papier geschrieben und mechanisch vervielfältigt, sodass für jedes Wort des gesamten Textes ein eigener Zettel angelegt werden konnte. Alle Zettel wurden lemmatisiert (d. h. nach dem jeweiligen Stichwort „getauft”) und dann nach Lemmata geordnet in eigens für den Thesaurus produzierte Kästen einsortiert. Auch alte Inschriften, Papyri, Münzen u. ä. wurden in vergleichbarer Weise berücksichtigt. Das Grundmaterial wurde von 1894 bis 1899 gesammelt und wird seither beständig ergänzt.



Exzerpte für jüngere Texte

Aus den Texten nach 200 n. Chr. wurden, zum Teil mit Hilfe der Indizes der Ausgaben, lexikographisch relevante Stellen exzerpiert.


Exzerpte aus Inschriften

Anders wurden die Zeitgrenzen für die Inschriften angesetzt. Hier sind nur die in CIL I edierten republikanischen Inschriften vollständig erfasst; dazu kommen seit dem Vorliegen der Wortkonkordanz die stadtrömischen Inschriften in CIL VI. Alle anderen Inschriften liegen in Exzerpten vor.

Aktualisierung

Seit dem Abschluss der ursprünglichen Exzerption 1899 wurde unser Material vor allem in zweierlei Hinsicht erweitert: erstens durch die Aufnahme von neu gefundenen Texten (z. B. die lateinischen Täfelchen von Vindolanda, die 1973 entdeckt wurden) oder Textversionen (z. B. in der Beuroner Edition der Vetus Latina), zweitens durch die Exzerption der Neuausgaben bereits bekannter Texte.

Ein Beispiel bietet Silius, Punica 2, 282. Der Vers lautet in der Ausgabe von Ludwig Bauer (1890): „testabor superos et caelo nota relinquam”, „ich werde die Götter als Zeugen anrufen und es dem Himmel bekannt machen”.

Dementsprechend findet sich unter dem Lemma „notus” ein Zettel für diese Stelle.

In seiner Neuausgabe entschied sich Josef Delz dafür, statt „nota” die Variante „uota” in den text zu setzen, „ich werde die Götter als Zeugen anrufen und sie beschwören”.

Daher wurde nun auch unter „uotum” ein Zettel in unser Material eingefügt, damit der Beleg bei der späteren Ausarbeitung des Lexikonartikels berücksichtigt wird.